Kultur- & Kunstkreis Ditzingen e.V.

Als Bildhauerin und Zeichnerin beschäftigen Michelin Kober in ihren Arbeiten von jeher die Fragen nach Zeitlichkeit und ihrem Verhältnis zu Raum.

Objekte aus fluiden Materialien wie Beton und Gips sind Versuche, diese Fragen zu materialisieren. Leerstellen im Objekt stehen sinnbildlich für unbesetzten Raum, für Freiraum, für das nicht Fassbare, das Unbekannte, für Transzendenz und Immaterialität.

 

Ihre Arbeiten stellen immer einen Versuch dar, sich der Wirklichkeit anzunähern.

Durch die Beobachtung der Umgebung versucht sie, den Kosmos der eigenen Welt zu begreifen und diese Spuren in der künstlerischen Arbeit zu dokumentieren.

Es geht nicht um Mimesis im klassischen Sinne, sondern um verstehen und nachvollziehen.

 

Die Flüchtigkeit der Elemente Wasser und Licht, die schwer fassbar sind und sich in ständiger Bewegung befinden, nehmen in ihren Untersuchungen eine tragende Rolle ein.

 

Seit 2003 verfolgt sie intensiv das Medium der Zeichnung in verschiedenen Werkgruppen.

Einfache Materialien und Werkzeuge, Tusche in hochverdünnter Form auf Büttenpapier, aufgetragen mit Stift, Pinsel oder Schwamm, dienen dazu, räumliche und zeitliche Phänomene in sehr langsamen, sehr stillen und zeitlich sehr intensiven Arbeitsprozessen zu visualisieren. Zeichnen bedeutet für Michelin Kober mit voller Hingabe im Augenblick präsent zu sein. Die Arbeit im Atelier als stille, einsame Tätigkeit, ist hierfür grundlegend.

 

In gleichförmigen, sich wiederholendem Farbauftrag mit kleinsten Abweichungen entstehen die Arbeiten unmittelbar im Zeichenprozess, der Ausgang bleibt offen.

Der unbesetzte, leere Raum entwickelt seine Präsenz im Prozess der Zeichnung durch die langsame Verdichtung des Umraums und wird so zur zentralen Kraft des Bildes. 

Helligkeit tritt in den Vordergrund, Dunkelheit verliert sich in der Bildtiefe. Raum und Zeit verschmelzen im Bild zu einer Einheit und bestimmen das Bildmotiv.

 

Michelin Kober arbeitet an verschiedenen Werkgruppen über Jahre. Jeder Gruppe liegt ein ganz bestimmtes Konzept zu Grunde. Feste Rahmenbedingungen existieren, innerhalb derer immer auch ein großer Raum für Zufälligkeiten bereitgestellt ist.

 

„Ich möchte Arbeiten schaffen, denen ich mit Offenheit begegnen kann, die mich im Ergebnis überraschen ohne rein zufällig entstanden zu sein. Im Zeichenprozess laviere ich zwischen Plan und Zufall, Prä- und Absenz, zwischen Nähe und Distanz, Sicherheit und Unsicherheit, Konvergenz und Abweichung.